Aktuelles Stück

So(h)retaler Trä(u)mli 

11.Oktober 1959. Auf dem Schöftler Schulhausplatz versammeln sich 10’000 Personen zu einer Kundgebung. Sie wollen dem Konzessionsgesuch für eine durchgehende Su(h)rentalbahn von Aarau bis nach Sursee Nachdruck verleihen. Dabei sind die zuständigen Aargauer und Luzerner Regierungsräte. Die Lücke im öffentlichen Verkehr soll endlich geschlossen werden.

Als «Niemandsland» bezeichnet der Attelwiler Lehrer Walter Lüthy in einem Gedicht das obere Aargauer Suhrental, und eine Bahn, so sieht es der Zeitgeist, verspricht wirtschaftlichen Aufschwung. In Leserbriefen liest man vom oberen und unteren Talgeist, ja gar von einem «Eisernen Vorhang» zwischen den konfessionell mehrheitlich unterschiedlichen Kantonen.

Die Bahngeschichte reicht ins 19. Jahrhundert zurück. Nägel mit Köpfen macht, nach gescheiterten Versuchen, eine durchgehende Bahn zu realisieren, der Aargau 1901 mit der Schmalspurbahn von Aarau nach Schöftland. Die Luzerner ziehen 1912 mit der Sursee-Triengen-Bahn auf Normalspurbreite nach. Das ist die unglückliche Ausgangslage. Materialisierung des Kantönligeistes in der Spurbreite. Gutachten hier, Vorstösse dort. 1957 hat man auch in Triengen für eine durchgehende Bahn demonstriert.

Immerhin: 1959 sind sich beide Kantone einig: Schmalspurbahn von Schöftland nach Sursee. Und gut 20 Millionen soll sie kosten. Das Konzessionsgesuch aber döst auf der langen Bank, bis 1961 der Stadtzürcher SP-Bundesrat Willy Spühler einen Augenschein im Su(h)rental vornimmt. Das hat Wirkung: Er überzeugt zuerst den Bundesrat; später zieht das Parlament nach. Die Konzession wird erteilt, doch wird jetzt neu gerechnet, die mutmasslichen Kosten steigen aufs Doppelte an, die Bahnchancen sinken.

Der Kantönligeist scheint überwunden, der Zeitgeist aber nagt an der Bahneuphorie. Stand bisher ein Bahnanschluss für wirtschaftlichen Fortschritt und Entwicklung, so beginnt in den frühen 60-er Jahren das Zeitalter der Nationalstrassen. Und die kosten. Kommt dazu: Dem Nachfolger Spühlers, Roger Bonvin aus dem Wallis, liegt der Furkatunnel näher als ein paar Kilometer Schmalspurbahn im Mittelland.So weit der faktische Hintergrund der Geschichte.

Das Freilichttheater im Schöftler Schlosspark verwebt diese Fakten, vor allem die Zeit um 1960, in eine Talschaftsgeschichte, in der das Allgemein-Menschliche, Persönliches und wirtschaftliche Interessen von Menschen aus dem Tal spürbar werden. Stichworte: Bus oder Bahn, Kulturlandverlust, Partikularinteressen, Linienführung, Lobbying. Das Stück wirft als Revue mit viel Musik (Lieder), (aber)witzig-satirischen Elementen und durchaus auch Gegenwarts-, ja Zukunftsbezug ein Schlaglicht auf eine interessante Epoche in der Geschichte des Tales. Und passt zur Tatsache, dass Schöftland 2020 800 Jahre feiert.

Zum Autor:

Peter Weingartner, 65, war Sekundarlehrer in Triengen LU und Redaktor der Aargauer Zeitung. «So(h)retaler Trä(u)mli» ist nicht seine erste Theaterarbeit. Er hat das Stück «Julie und die Gerechtigkeit» geschrieben, das 2016 ebenfalls im Schöftler Schlosspark aufgeführt wurde. Das Stück «Couscous & Rösti», ein Freilichttheater über afrikanische Soldaten, Angehörige der französischen Armee, die 1940 in Triengen interniert waren, wurde 2012 von der Theatergesellschaft Triengen aufgeführt.